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Es mag die Historie sein,
die diesem Veranstaltungsort
Charakter verleiht. Jedes Jahr ein wenig mehr ...
Im Capitol werden Stars gefeiert. Hier werden Strategien verkündet, Menschen motiviert, Ideen präsentiert und Helden der Zeit beklatscht. Jedes Mal ein Stück Geschichte.
Das hat Tradition im Haus, wenn auch in anderer Ausprägung: Die jetzige Kulturstätte war ursprünglich ein Zentrum der Besinnung und der Religion – eine Synagoge.
1912: Das Gebäude entsteht.
1912 wurde auf Initiative des Vorstehers der Jüdischen Gemeinde, Max Goldschmidt, und des Kunstsachverständigen Siegfried Guggenheim, nach Plänen der beiden Offenbacher Architekten Fritz Schwarz und Karl Wagner mit dem Bau der neuen Synagoge begonnen, die 1916 endgültig fertiggestellt war.

Der Vorsteher der Gemeinde, Dr. Max Goldschmidt, sprach bei der Einweihung der neuen Synagoge von "geistigen und kulturellen Ansprüchen, die über die Mauern der alten Synagoge hinausströmen und neue Räume verlangen, die aber dem Geiste der Neuzeit entsprechen"... und sagte: "Wir haben einen Platz an der Sonne erobert und diesen wollen wir behaupten ..."
1916: Die Synagoge, erfüllt mit Leben.
Die Synagoge mit ihrem Festsaal im oberen Geschoss war ein Ort, in dem eine Vielzahl kultureller Aktivitäten veranstaltet wurden, zum Beispiel Konzerte, Theateraufführungen und öffentliche Vorträge.
In der Mitte des Gebäudekomplexes erhebt sich das auffallendste Merkmal, der 30 m hohe Kuppelbau, flankiert von zwei turmartigen Vorsprüngen, die den Übergang zu den niedrigeren Seitenflügeln bildet. Die Fassade besteht aus Muschelkalkstein; Dächer und Kuppeln waren zu früherer Zeit noch mit Holzziegeln gedeckt. Farbige Fenster und ein Rundfenster in der Kuppel erhellten den Innenraum mit Tageslicht. Der Zugang zur Synagoge erfolgte durch die im Westflügel gelegene Säulenhalle.
1938: Feuer zerstört das gesamte Inventar.
Die Synagoge mit ihrer fast dreißig Meter hohen Kuppel war nicht nur ein Symbol der Emanzipation der Juden, sondern auch des Scheiterns, der Vertreibung der Offenbacher Juden und der Vernichtung der Gemeinde. Schon vor der Machtübernahme im Deutschen Reich hatten Offenbachs Nationalsozialisten die Synagoge in den Blick genommen und befunden, das Gebäude sei geeignet, um darin ein Theater einzurichten.
Obwohl die Synagoge in der Progromnacht des 9/10. November 1938 geschändet wurde – das von SA-Männern gelegte Feuer zerstörte Inneneinrichtung, Thoraschrein, Rabbinerzimmer und Bibliothek – blieb die Gebäudehülle unversehrt.
Im Dezember 1938 war der Gemeindevorstand gezwungen, das Haus für einen Spottpreis an die Kinobetreiber Ruttmann weit unter Wert zu verkaufen.
1940: Das "National-Theater" eröffnet.
Georg Ruttmann verlegte sein "National-Theater" in die Synagoge. Die Synagoge Offenbach wurde zum "repräsentativsten Premieren-Kino Offenbachs". Die Stadt hatte sich bei den Kaufverhandlungen mit Ruttmann ein Nutzungsrecht des Gebäudes an zwei Tagen in der Woche und an jedem Sonntagvormittag gesichert.
Dies bot die Gelegenheit, ein "Stadttheater Offenbach" zu gründen und die Presse titulierte: "Offenbach erhält ein neues Film- und Theaterhaus."
Die NSDAP nutzte das "National-Theater" zudem für Kundgebungen und HJ-Feiern. Alles weist darauf hin, dass die zweckentfremdete Nutzung der Synagoge von den Nationalsozialisten schon lange geplant und vorbereitet war.
Nach einer Veranstaltung der Nationalsozialisten schrieben die "Offenbacher Nachrichten" im September 1933: "Wir müssen die rote Festung auch kulturell erobern. Die Stätte, von der so viel Verhetzung und Schändung des Deutschtums ausgegangen ist, muss durch eine deutschbewusste Einwohnerschaft Offenbachs entsühnt und geweiht werden".
Die Bombenangriffe auf Offenbach hatte das Haus ohne wesentliche Beschädigungen überstanden, doch die wenigen Juden, die nach Offenbach zurückkehrten, wollten das große Gebäude nicht mehr als Gotteshaus in Anspruch nehmen. Gemeinsam mit der Stadt Offenbach wurde eine öffentlich-kulturelle Nutzung beschlossen. Das Gebäude ging 1954 endgültig in den Besitz der Stadt Offenbach über.
80er: Das Stadttheater kommt in die Jahre ...
Zwischen 1954 und 1975 wurden überwiegend Opern, Operetten und Schauspiele aus Gießen und Heidelberg aufgeführt. 1979 wurde bekannt, dass die Beleuchtung erneuert werden müsse. Ab 1982 regnete es durch die Kuppel, 1988 gab die Heizung ihren Geist auf ...
Nach 1989 konnte die als Gastspieltheater betriebene Bühne wegen anstehender Sanierungsmaßnahmen nur noch eingeschränkt bespielt werden und war finanziell für die Kommune nicht mehr tragbar.
1995: Der "musicalische" Jungbrunnen.
Das marode Theater wird in ein Musicalhaus verwandelt. Um dem kulturellen Auftrag gerecht zu werden, setzt es sich die Peter Rieger Theater GmbH, im Einverständnis mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Offenbach und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinde Hessen, zum Ziel, das Theater an der Goethestraße zur Bühne mit gehobenen Unterhaltungswert wieder zu erwecken.
Um den hohen Ansprüchen eines Musical-Theaters gerecht zu werden, wurde das Gebäude umfassend modernisiert, ohne dabei den ursprünglichen Charme zu zerstören. Der Umbau erfolgte durch das Architekturbüro ABB, Frankfurt/Main. Der eigentliche Umbau begann am 17. Oktober 1994 und wurde in nur sechsmonatiger Bauzeit vollendet.
Nun erreicht man nach dem glasüberdachten Eingangsbereich im Westflügel das lichtdurchflutete, neurestaurierte Atrium des Theaters. Mit der Freilegung der teilweise zubetonierten Natursteinstützen und einem neuen Boden, einer Kombination aus Steinzeugfliesen und Granitplatten, wurde das Atrium und das Foyer im Erdgeschoß wieder in ihre Ursprungsmateralien zurückgeführt.
Der Theatersaal wurde von einer Sitzkapazität von ehemals 694 auf 1.125 Plätze erweitert. Der gesamte Emporenbereich wurde erweitert, um einen optimalen Blick auf die Hauptbühne und Portal zu geben.
Am 28. April 1995 feierte man die Premiere des Musicals Tommy. Schon nach 13 Monaten fiel am 2. Juni 1996 jedoch der letzte Vorhang.
1998: Das Capitol.
Nach millionenschwere Musical-Pleite des Veranstalters stand der Prachtbau zwei Jahre leer, bis das Haus 1998 von der "Entertainment Center Rhein-Main GmbH" übernommen wurde.
Im Oktober 1998 öffnete das Multifunktionshaus Capitol seine Pforten. Überall taucht eine stilisierte weibliche Figur als Erkennungsmerkmal auf, die an die Emilie von Rolls Royce und Hollywoods Filmtrophäe, den Oscar erinnert.
Der Aufführungsraum bietet moderne Sound- und Lichttechnik. Für den vier Millionen Mark teuren Umbau ist der Pariser Architekt Jean Pierre Heim verantwortlich.
2002 bis heute: Etablierte Top-Location im Rhein-Main Gebiet.
Die E.C.O. Event Center GmbH Offenbach übernimmt als Betreibergesellschaft 2002 die Geschäfte des Capitol Theaters und macht es zur Top-Location für Unternehmen, Verbände und zum Treffpunkt für Fans, Comedystars, Musiker und Künstler.
Das engagierte Team unter Leitung von Geschäftsführerin Birgit von Hellborn organisiert vom kleinen, privaten Sektempfang bis zum erlebnisreichen Groß-Event Veranstaltungen für bis zu 1.800 Personen.
Mit Erfolg: Die Auslastung wächst.
Seit 2005 ist das Capitol Stammhaus der Neuen Philharmonie Frankfurt. Dazu Dr. Ralph Ziegler, künstlerischer Leiter: "Wir haben Räume mit Persönlichkeit gefunden. Eine Residenz mit Geschichte, herrlicher Klangqualität und unglaublich variablem Ambiente, die ihren Zauber auf Manager, Kulturinteressierte und junge Leute gleichermaßen ausübt."
Dem ist nichts hinzuzufügen – bis zum nächsten Kapitel, das die Geschichte schreiben wird.
Informationen mit freundlicher Unterstützung aus dem Stadtarchiv Offenbach